Eröffnung des neuen Firmensitzes des niedersächsischen Unternehmens Solarlux (Foto: Solarlux GmbH)

Eröffnung des neuen Firmensitzes des niedersächsischen Unternehmens Solarlux (Foto: Solarlux GmbH)

Solarlux in Melle nutzt 6.400 Meter Erdwärmesonden

Im September 2016 wurde nach eineinhalb Jahren Bauzeit der neue Firmensitz des niedersächsischen Unternehmens Solarlux offiziell eröffnet. Eines der größten Erdwärmesondenfelder Norddeutschlands sorgt dabei neben einem Blockheizkraftwerk und Abwärme für die Beheizung der neuen Solarlux-Firmengebäude.

Südwestlich der Innenstadt von Melle hat Solarlux auf einem 13 Hektar großen Grundstück 2016 eine neue Firmenzentrale mit Verwaltung und Produktionsstätten für 600 Mitarbeiter errichtet. Der Hersteller von Glas-Faltwänden und -anbauten bündelt mit dem Neubau sämtliche Firmenstandorte unter einem Dach.

Besonders interessant ist u.a. die Wärme- und auch Kälteversorgung: Mit 60% werden mehr als die Hälfte des Heizwärmebedarfs von einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit 225 kW Leistung von Viessmann gedeckt. Als Wärmequelle nutzt die Erdwärmepumpe ein Erdsondenfeld mit 80 Erdwärmesonden, die jeweils 80 Meter tief in die Erde gebohrt wurden.

Mit 80 Sonden mit einer Gesamtlänge von 6.400 Bohrmetern zählt das Meller Sondenfeld zu einem der zu der Zeit größten Sondenfeldern im Bereich der oberflächennahen Geothermienutzung in ganz Norddeutschland.

Die über die Wärmepumpe auf Heizwärmeniveau hochgepumpte Erdwärme wird dann per "Betonkernaktivierung" im Verwaltungsgebäude verteilt. Die Aktivierung der Betonböden und -decken erfolgte dabei mit rund 15 Kilometern Rohrregistern. Im Sommer kann die Betonkernaktivierung im Übrigen auch umgekehrt werden und zum "passiven" Kühlen genutzt werden.

Dabei nimmt das Heizungswasser die Wärme der Räume auf und gibt sie über die Erdwärmesonden in den Untergrund ab. Bei günstigen Grundwasserverhältnissen steht dann ein Teil dieser Kühlwärme auch noch im Winter bereit, um sie wieder per Wärmepumpe zum Heizen zu nutzen.

Zudem liefern sowohl die Produktionsprozesse in der Pulverbeschichtung als auch ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) nutzbare Abwärme. Ein Teil der Abwärme der Pulverbeschichtung fließt zurück in die Produktion und senkt deren Energiebedarf. Der Rest wird zum Heizen der Fertigungshallen genutzt und in das Erdsondenfeld eingeleitet, um noch mehr Erdwärme (Entzugsleistung) vorrätig zu haben.

Da die Wärmepumpen- und insbesondere Erdwärmetechnik nicht angeguckt und physisch erlebt werden kann, hat man bei Solarlux in Melle auf das Konzept "Bildende Bauten". Eigene, sinnvoll und anschaulich verbundene Stationen erläutern die zahlreichen Nachhaltigkeitsaspekte ansprechend und leicht verständlich.

So wird das Gebäude zum begehbaren Exponat, zum Wissensvermittler und zur Inspiration für Mitarbeiter und Besucher, auch das eigene Verhalten zu überdenken. Für das Konzept der "Bildenden Bauten" wurde Solarlux 2018 mit dem German Design Award Special ausgezeichnet.

Steckbrief:
Firmenzentrale mit Verwaltung und Produktionsstätten in Melle

Objekt: Firmenzentrale mit Verwaltung und Produktionsstätten
Strasse: Industriepark 1
Ort: 49324 Melle
Baujahr: 09.09.2016
Leistung in kW: 225kw
Wärmepumpen-Hersteller: Viessmann Werke
Beteiligte Unternehmen: DIA 179 – German Industry Architecture (Berlin), Statix (Leipheim), Innius GTD (Berlin), Kaulich & Hofmann (Lappersdorf), Faatz Lichtberatung (Eckental), hhpberlin Ingenieure für Brandschutz (Berlin) Lützow 7 C.Müller J.Wehberg (Berlin)
Anwendung: Heizen & Kühlen
Wärmequellen: Erdwärme
Technik: Sole-Wasser-Wärmepumpe
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